
Wie mein roter Bart in einem Video von Charlie Hides landete
Manchmal findet man beim Aufräumen alter Festplatten Dinge wieder, bei denen man sofort weiß:
Ach ja. Da war ja was.
In meinem Fall war es ein Foto von mir mit schwarzer Mütze, nacktem Oberkörper, einem ziemlich auffällig rot gefärbten Bart und drei großen roten Buchstaben auf der Brust:
LUV.
Und natürlich gibt es dazu eine Geschichte.
Es war 2012
Madonna hatte gerade mit „Give Me All Your Luvin’“ die erste Single aus ihrem neuen Album MDNA veröffentlicht. Und natürlich dauerte es nicht lange, bis der Song auch in der kleinen Welt der Madonna-Parodien ankam.
Charlie Hides verfolgte ich damals schon eine ganze Weile auf YouTube. Auf seinem Kanal gab es Parodien auf Madonna, Cher, Lady Gaga und diverse andere Damen aus der Popwelt.
Als Charlie eine Parodie zu „Give Me All Your Luvin’“ plante, gab es einen Aufruf an die Zuschauer: Wir sollten Bilder zum Thema LUV einschicken.
Nun könnte man in einer solchen Situation einfach ein Blatt Papier nehmen, „LUV“ darauf schreiben, ein Foto machen und fertig.
Könnte man.
Mein damaliger Nachbar Attila war allerdings Fotograf.
Das eröffnete gewisse Möglichkeiten.
Wenn schon LUV, dann richtig
Ich meine, die Idee für das Motiv kam von mir. Ganz sicher bin ich mir nach inzwischen vierzehn Jahren allerdings nicht mehr. Möglicherweise gab es damals für die eingesandten Bilder auch noch irgendwelche Vorgaben von Charlie.
Was ich dagegen ziemlich genau weiß: Es sollte zum Thema passen.
Also landete ein großes LUV direkt auf meiner Brust. Mit roter, wasserbasierter Farbe.
Und weil dieselbe Farbe nun ohnehin schon da war und ich einen Bart hatte, bekam der ebenfalls eine Behandlung.
Rot. Sehr rot.
Schwarze Mütze dazu, Oberkörper frei, vor die Kamera – und Attila machte daraus ein erstaunlich professionelles Studioporträt.
Das fertige Bild schickte ich ein.
Und dann passierte erst einmal:
Nichts.

Und plötzlich war ich da
Ob Charlie mein Foto überhaupt verwenden würde, wusste ich nicht. Eine Nachricht nach dem Motto „Herzlichen Glückwunsch, dein roter Bart hat es geschafft!“ bekam ich jedenfalls nicht.
Irgendwann erschien die Parodie.
Also Video an.
Schauen.
Und dann:
Moment mal.
Da war ich.
Mit rotem Bart.
Mit nackter Brust.
Mit LUV.
Und nicht einmal irgendwo für einen Sekundenbruchteil so klein im Hintergrund, dass man hinterher darüber diskutieren müsste, ob ich das wirklich gewesen bin.
Mein Foto war ziemlich unübersehbar neben Charlie im Video zu sehen.
Damit hatte ich tatsächlich nicht gerechnet.

Vierzehn Jahre später
Und jetzt, vierzehn Jahre später, tauchte dieses Foto wieder auf.
Eigentlich war ich gerade damit beschäftigt, Dateien von einer alten Festplatte zu retten und einigermaßen sinnvoll zu sortieren. Zwischen alten Projekten, Fotos und Dingen, von denen ich längst vergessen hatte, dass ich sie überhaupt noch besitze, lag plötzlich wieder dieses Bild.
Schwarze Mütze. Roter Bart. LUV.
Und sofort war die Geschichte wieder da.
Solche Fundstücke sind vermutlich einer der Gründe, warum es MISTERWORLD überhaupt gibt. Nicht alles, was einem irgendwann einmal passiert ist, ist weltbewegend. Aber manches ist einfach viel zu schön, zu schräg oder zu persönlich, um für immer auf irgendeiner Festplatte zu verschwinden.
Und manchmal landet man eben unverhofft in einer Madonna-Parodie.
Auch das kann passieren.